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Wie geht ihr auf Sessions mit "Anfängertunes" um? 
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Hi Freaks
altbekanntes Thema, das im Forum schon mehrfach anklang, aber nicht ausführlich besprochen wurde.
In der Session werden Connaughtmans Rambles oder Kesh Jig oder Silver Spear oder na ihr wisst, von was ich rede, angespielt. Es gibt Musiker, die dann naserümpfend wegschauen oder sogar demonstrativ das Instrument weglegen, nach dem Motto: Anfängerzeug, da stehe ich drüber, so was ist unter meinem Niveau, da wo du bist, war ich schon vor Jahren, kann ich nicht mehr hören oder mein Gehirn verweigert das Weiterleiten der Befehle an die Finger.
Ich hatte mich über dieses Thema mal mit einem Fiddler, Dick Glasgow in Nordirland unterhalten und er hatte das Problem z. B. mit "Wise Maid". Hing ihm zum Hals heraus, weil jeder diesen Tune auf jeder Session prügelte, vielleicht noch mehrmals in der gleichen Session, je nachdem, wer wann hinzustieß. Dann hörte er eine Version von Wise Maid von einem Boxspieler und es war als ob er diesen Tune neu entdeckte. Soll heißen, es gibt natürlich sog. Einsteigertunes, aber das sollte bei einem doch keine Totalverweigerung hervorrufen, sondern eher dazu veranlassen sich herauszufordern und zu sagen, ich versuche aus jedem Tune das Optimum herauszuholen, immer wieder. Also ich spiele C.Rambles immer noch gerne.


06.02.2006, 11:47
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ich mag die alten Renner sehr gerne. Oft sind die zum Spielen für Tänzer am allerbesten. Die kapiert jeder. Man muss sich nicht die Finger abbrechen und man kann leicht variieren. Das eigentliche Problem ist eher, dass man halt genau diese Tunes zu oft schlecht, zu schnell, ohne Swing... gespielt hört. Deshalb verbindet man diese Tunes mit schlechten Gefühlen. Außerdem sind das die Tunes, die man selbst am Anfang gelernt hat und vielleicht gar nicht so schön spielt. Deshalb kann ich dieses Wiederentdecken sehr gut nachvollziehen. Also: diese Tunes sind sehr schöne Tunes und sind es wert, gespielt zu werden!


06.02.2006, 13:35
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reinvent the hackneyed tunes!

es ist jedem seine persönliche entscheidung, ob er/si das, was er/si für abgedroschen hält, mitspielt oder nicht. manchmal gehts einfach nicht, weil einem sich die fußnägel hochrollen. aber eigentlich ist das wie in eine zitrone beißen: sauer macht lustig (und war hinterher gar nicht so schlimm, wie man gefürchtet hat). schade finde ich, wenn sich jemand überhaupt nicht mehr für einmal abgehakte tunes interessieren mag.

ich finde es ebenfalls schön, wenn ein abgedroschener tune oder eines der alten schlachtrösser mal bei tempo, bounce, arrangement/kombination mit anderen tunes in ungewohntem set kombiniert wird... das ist manchmal wie neu-entdecken!

in irland habe ich sessions erlebt, die bewusst gesperrt wurden für anfänger: egal mit welchem tempo man einen tune anfängt, er wird vom coreteam der session sofort auf ein mörderisches tempo hochgezogen und damit fliegen diejenigen, die den tune angestimmt haben, nach nullkommanix raus. spätestens nach dem dritten versuch kommt kein weiterer mehr.

auf thesession.org wurde in mehreren threads sehr leidenschaftlich das thema session etikette diskutiert: in jede session geht es um gegenseitige rücksicht und ein wenig fingerspitzengefühl, was gerade passiert. und fettnäpfchen stehen genügend rum (für neulinge schwer zu erkennen). ein paar egotrips sind zu verkraften, aber zu viel davon und eine session fällt auseinander.

die haltung mancher alten hasen kann ich irgendwie sogar nachvollziehen: natürlich ist man froh, in der weiten pampa leute zu finden, die mit ähnlichem hintergrund wie man selbst an die sache herangehen. jedes "greenhorn" soll bitte erst mal den weg durch alle irrungen und wirrungen gehen und etwas für authentisch halten, was man selbst nicht mehr für authentisch halten mag. und nicht jeder fühlt sich berufen, neulingen den weg zu ebnen und zur beschleunigung eines lernprozesses beizutragen.

trotzdem: respekt und höflichkeit gehören unbedingt dazu! entscheidend, ob ich zu einer session gehe oder nicht gehe ist (neben zeit/entfernung etc) die vorherrschende Stimmung/atmosphäre und nicht die frage, ob zu viele hackneyed tunes gespielt werden.


06.02.2006, 17:22
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Letztens bin ich neu auf einer Session gewesen, in der ich niemanden kannte und ungekehrt. Dann hat jemand einen bekannten Tune gespielt (Rambling Pitchfork oder Drowsy Maggie...), um mich in die Session "reinzuholen", was ich sehr freundlich fand. Danach haben wir auch noch jede Menge anderer gemeinsamer Tunes gefunden.


06.02.2006, 18:40
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Ja, das ist wohl die beste Methode, einfach mehrere sog. Standardtunes spielen und hoffen, das neue Gesichter da
mitmachen können. Verhehrend ist oft die Aufforderung an ein neues verunsichertes Gesicht, ob er/sie nicht auch einmal ein Tune spielen möchte, das führt zu mehr Verunsicherung und Neuling ist noch verkrampfter, weil er/sie denkt, jetzt einen Tune, vor den den Augen der Jury, fehlerfrei abliefern zu müssen, wie eine Prüfung. Was mich allerdings verunsichert, du fragst Tunes ab, du spielst Standardtunes an, drosselst das Tempo und dann kommt trotzdem nichts und er/sie sitzt aber die ganze Session brav mit Instrument in der Hand dabei, ohne einen einzigen Ton gespielt zu haben. Dann denke ich, die wollen bloß die alkoholischen Freigetränke abgreifen, aber sie sitzen genügsam mit einem Glas Mieseralwasser da. Für ein eingehendes psychologisches Gespräch fühl ich mich nicht berufen, da eine Session für mich in erster Linie heißt, spielen, spielen, spielen. Da frag ich mich dann, was suchen die auf der Session, Tunes vor den Anfängertunes? Gibts sowas?


07.02.2006, 11:52
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Hallo zusammen,

ich bin selbst noch Anfängerin und finde dieses Thema ziemlich spannend.

Bin vor kurzem auf diese Seite gestoßen und habe das Gefühl, ein Fenster in die geheimnisvolle "Fiddle-Welt" gefunden zu haben.

Ich habe vor 16 Monaten angefangen, Geige zu lernen, weil mich die live sessions im Pub immer total glücklich gemacht haben, vor allem die Geigen... und ein großer Traum für mich ist es, irgendwann einmal mitspielen zu können. Es muss ein großartiges Gefühl sein, so wunderschöne Musik gemeinsam mit anderen zu machen.

Allein aus meiner Euphorie könnt ihr sicherlich erkennen, dass alles für mich noch ein großes Mysterium ist. Ich bin immer geradezu ehrfürchtig, wenn ich die fiddler sehe und höre, oder auch, wenn ich eure Beiträge hier lese - und wenn ich Glück habe - verstehen kann.

Aber für mich steht auch die Frage: wie werde ich es schaffen, je mitspielen zu können... wenn die fiddler so wahnsinnig schnell sind, wenn da Verzierungen drin sind, von denen ich noch keine Ahnung habe ... und ich außerdem das Gefühl habe, fiddler wollen ihre Geheimnisse gar nicht so gerne preisgeben (oder sie verstehen die Probleme der Anfänger nicht mehr?)

Wie war das bei euch? Ihr wart doch auch alle mal Anfänger. Wie habt ihr gelernt, die tunes zu spielen? Wie waren eure Anfänge in den Pubs?

Ich hoffe, ich habe das Thema jetzt nicht zu sehr ausgeweitet ... aber ich bin wirklich neugierig auf eure Erfahrungen - in der Hoffnung, dass sie mir vielleicht weiterhelfen können.


07.02.2006, 12:37
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ganz so blöd, dass ich während einer session gar nichts gespielt habe, ging es mir bisher noch nie. aber es ist schon passiert, dass ich gerade mal drei tunes mitspielen konnte (und das kann durchaus sogar heute noch passieren)...

Für Anfänger müssen mehrere Dinge passen: 1. tune kennen 2. tempo muss stimmen 3. lampenfieber-/adrenalinschübe moderat (sonst kriegt man so einen grifffingerkrampf, dass beinahe das griffbrett platzt) - gerade deshalb ist es wichtig, dass manche rituellen tune sets ("anfängertunes" auch noch moderat im tempo) bestandteil einer session sind. weil, wer öfters kommt, hat die chance, alle drei genannten punklte dann doch irgendwann mal auf der reihe zu haben und aufzutauen/mitzuspielen .... und an das gefühl, wie es war, als ich zum ersten mal bei einer session ganze tune sets mitspielen konnte, erinnere ich mich noch gut! es war wunderbar!

@eireann: die "geheimnisse" erschließen sich, wenn man schnelle fiddler langsam hört ... aber dann dauert es immer noch lange, bis man das was man hört auch selbst erzeugen kann... aber es kommt die zeit, da du in einer session neben erfahreneren fiddlern sitzt und dein blick gebannt an einer linken hand eines nachbarn klebt, während du ansatzweise versuchst, das gesehene synchron von deinen eigenen fingern zu verlangen - und auch das geht mit den jahren immer besser.


07.02.2006, 13:10
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okay, vielleicht noch mal ne kleine Anmerkung, ohne etwas dirigieren zu wollen. Thema war ja eigentlich, wie Fiddler auf Sessions mit Anfängertunes umgehen und nicht wie Sessionisten mit Anfängern umgehen (sollten). Das wäre ein neues Thema, aber wenn die Beiträge in diese Richtung gehen , dann soll es so sein.
Ansonsten würde ich in die Runde fragen, was sind für jeden vermeintliche "Anfängertunes", womit hat jeder einmal angefangen? Das soll keine Qualitätskontrollenabfrage sein. Denkt nicht, ich sitze hier und kicher mir eins, aber das hab ich ja alles schon oben erklärt, worum es mir geht. Und raus.


07.02.2006, 16:01
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Ich fange an mit C. Rambles, als ersten Jig und natürlich Kesh Jig, als ersten Reel hatte ich Sallys Garden, Masons Apron (2Teiler) und bestimmt auch Cooleys Reel in der Mache.
Ich bin immer noch am prüfen, wo kann ich was verbessern, wie kann ich den Tunes gerecht werden.


07.02.2006, 16:24
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bernd, es sind schon beide aspekte wichtig: die fragen, wie hat man sich mal selbst als anfänger auf den ersten sessions gefühlt (und weiß man das heute noch) und wie geht man mit anfängern auf sessions um, hängen doch untrennbar zusammen mit der frage, wie man mit anfängertunes auf sessions umgeht... und ich meine, bisher klang durch, wie man damit umgehen kann:
manche moderat im tempo und überhaupt so spielen, dass die anfänger mitspielen können, manche mal ganz anders anpacken (auch wenn anfänger, die nur eine ceiliband-version davon und ihre passenden cooper- oder crannitch-noten kennen, und sicher auch einige "fortgeschrittene" dir und einer hand voll weiterer musiker nur zuhören können.
der gute alte harvest home ist uns mal irgendwann mit carolan´s concerto und dem belfast hornpipe in den mixer geraten. herausgekommen ist etwas, was nicht jeder mitspielen kann, aber viele sagen mir: "schön! - weißt du, harvest home kann ich eigentlich nicht mehr hören, aber das war mal was anderes!"


07.02.2006, 17:32
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Sind Sessions denn per Definition "elitär"? Ich war noch nie auf einer Session und wenn ich das alles hier so höre, weiß ich nicht, ob ich mich überhaupt noch hintrauen soll. Obwohl ich mir einbilde, ein paar Tunes spielen zu können. Wie bereitet man sich eurer Meinung nach am besten darauf vor?


07.02.2006, 18:06
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Jetzt geht das in eine Richtung, die ich so nicht wollte und auch anfangs gar nicht vorhergesehen habe. Nochmal,es ging mir nicht um das Miteinander in Sessions, also den sozialen Aspekt oder wie immer man das bezeichnen mag, sondern darum, wie jeder selber mit den einmal gelernten, ersten Tunes jetzt umgeht, in der Session oder auch beim Üben zu Hause. Das Eine hat mit dem Anderen erstmal so nichts zu tun. Aber gut, wenn es doch verknüpft wird, will ich mich da nicht sperren. Natürlich hat eine Session per se erstmal nichts elitäres an sich, das Elitäre hängt dann von den Musikern ab, die die Session, wie auch immer, führen, weil die Musiker, die sie führen, vielleicht von Anfang an dabei sind und es als ihr Baby betrachten. Es ist auch eine Sicherheit zu wissen, wie die Sessiongruppe, die man kennt, tickt. Die Sessiongruppe kennt sich vielleicht schon seit einiger Zeit und hat sich ein Repertoire über die Jahre erarbeitet. Der feste Pool von Tunes hilft, sich über ein paar Stunden miteinander zu vergnügen, und Newbees haben dann den Eindruck, daß der Zug an ihnen vorbeifährt, erst recht, wenn es eine Session ist, wo die Tunesets schon seit Jahren so gespielt werden, immer in der gleichen Reihenfolge und die Musiker mittlerweile sogar auf immer den gleichen Plätzen sitzen. Gibt es übrigens in Irland so, ist kein typisch deutsches Verhalten, wie mancher vielleicht denken mag.
Jetzt kommt es auf das Repertoire eines Musikers an. Ist es groß genug, um sich auch in anderen Sessions einbringen zu können? Andere Sessiongruppen haben wahrscheinlich einen anderen Pool an Tunes. Sind die Musiker offen genug dem auch Tribut zu zollen und Platz für Newbees zu lassen oder beharren sie stur auf ihrem Repertoire, weil sie vielleicht Gefahr laufen, bei den Tunes des Newbees nicht mitspielen zu können? Das kann frustierend für beide Parteien sein. Der Newbee muß sich solistisch mit seinen Tunes alleine durchkämpfen, eben kein Miteinander und der Rest sitzt dumm herum und ist möglicherweise auch frustiert, nichts dazu beisteuern zu können. Dann gibt es welche, die nur auf eine Lücke warten, um endlich alleine vor einer Zuhörerschaft solistisch mehr oder minder zu brillieren, die vielleicht auch nicht wollen, daß jemand mitspielt. Dann gibt es Sessiongruppen, da geht die Post ab, Rockn Roll, lets fetz, die haben alle einen Turbo eingebaut und wollen Dampf ablassen.
Entweder man setzt sich nur in die Nähe und lässt das Rennen geschehen oder man fühlt sich dem mörderischen Tempo gewachsen und hält mit. Diese Session sind hardcore und laufen gnadenlos ab. Kann auch Spaß machen, wenn man sich dem aussetzen möchte. Diese Sessions können dann aber auch ganz schön elitär wirken. So reicht erstmal.
Aber wie gesagt, das ist nicht mehr das ursprüngliche Thema, sondern heißt jetzt: Was sind gute und was sind schlechte Sessions?


07.02.2006, 21:28
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sorry, ich hoffe, ich habe euch jetzt nicht zugemüllt.


08.02.2006, 10:26
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Hallo, scratch! Gestern war ich auf einer Session und da ist mir prompt die Antwort auf die Eingangsfrage eingefallen: Ich spiele sie einfach mit!


12.02.2006, 12:19
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Hallo Colo
wunderbar, so wie es sein sollte.


12.02.2006, 13:14
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